Direkt zum Hauptbereich

Alles Scheiße, oder die Wiederentdeckung der Betroffenheit

Erwachsen werden beginnt nicht erst im hohen Alter.
Da ist es meist zu spät dafür. Wie wir wissen
beginnt alle Regression mit dem Jammern.

"Alles Scheiße, Deine Elli!" - die original Single
der "Clo-Schahs" hab ich noch
zu Hause. (hier nur das LP-Cover:
http://www.audm.de/clolp001.htm )

Es handelt sich um Festtagsmusik in der
Kleinster-gemeinamer-Nenner und Unausstehlichkeit
zu einem Unterhaltungskonvolut verdichtet wurden.
Über den Umweg Ballermann ist auch
diese Form von Versinnlichung von Unsinnlichem
in der Hochkultur angekommen.

"Wir sind Bio" machte Goethe-Institute zu
den weltweit letzten öffentlichen Urinalen.
Die Leitung von so einer Deutschen Außenstelle
ist unkündbar, wird aber alle zwei Jahre versetzt,
es könnte zuviel Eigengeruch entstehen.
In dieser Hinsicht war die Putzmittel-Industrie
im Osten immerhin eine Erinnerungs-Industrie.
Kultur läßt sich verflüssigen, doch eine
Eigenurinbehandlung ist kein Dauerzustand.

Erwachsen sein ist ein sehr kurzer Moment,
danach beginnt die Schrumpfung.
Alle, die wir hier schreiben, schrumpfen bereits.
Unser Kleinerwerden ist unser wahres Kapital.
So war der Sozialismus die Löcher, und der Kapitalismus
der Restkäse. Alle Begeisterung geht von
ihren Rändern aus - und zwar nach innen.

Inmitten von unbeschittenen Freiräumen ist
die Begeisterung am größten. Doch der Kapitalismus
kennt nur das Prinzip des Jammerns, der
Schrumpfung und alle Beigeisterung ist für
ihn immer nur mittelbar und verwertbar
auf ihr Ende hin systematisiert.

Beispiel: Stirbt ein Mensch, ist das gut,
weil man dann Kosten entstehen.
Kosten sind Wertschöpfung - alles
was Geld kostet ist was wert.
Ein glücklicher Mensch ist für den
Kapitalismus praktisch nicht verwertbar.

Was machte Elli so attraktiv, eben daß
sie so unattraktiv war. Jeder war automatisch
damit "ganz o.k." wenn er nur unattraktiv
war.

Exkurs: "Ich bin Scheiße, Du bist Scheiße,
der Himmel häng voll Scheiße!//:Rühr den
Wind um://" (mehr brauch ein Punk-Text nicht,
denn es geht immer nur ums nackte Überleben)
"Ich mach den Dis-Tanz, für meine Piss-Chance!"
(...kann nicht funktionieren als Song, da es
ein Tanz ist und Einmachen klebt...)

Die Welt ist sehr verklebt von Allem was bindet.

Ich denke Verdrängen funktioniert am
besten durch das SELBE.
Regel:
Du leidest darunter sehr unattraktiv zu sein,
dann mache etwas was genau so unattraktiv
ist, und Du wirst sehen, Du spürst es nicht
einmal mehr!

Erwachsen zu werden war für mich immer damit
verbunden, sich selber nicht mehr zu spüren.
War man betroffen, zum Beispiel von einer
Mieterhöhung, dann ging es einem nicht gut.
Ich wollte nie ein Betroffener sein, aber ich
war betroffen. Dann wollte ich wenigstens
meine Betroffenheit nicht spüren, aber
ich mußte sie spüren. Dann wollte ich Kunst
machen, vielleicht um einfach mal was anderes
zu spüren! - aber das geht nicht, weil es
dann andere zu spüren bekommen.

Es führt halt kein Weg daran vorbei,
ein glücklicher Mensch zu werden.

Der glückliche Mensch ist mit sich im Reinen,
er ist nicht getrennt, von seiner Begeisterung,
immer nur findet er, allein sein Sein ernährt ihn.

Das ist Erwachsen-werden!!! Groß.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Stunde früher und überirdisch - Rakete 2000 liest ab nächsten Donnerstag schon um 20 Uhr in der Ä-Stube

DIE KELLERZEITEN SIND VORBEI!!! JETZT IN DER STUBE! (Fuldastr. 46, Neukölln)
Zombies at the Lesebühne Halloween und die amerikanischen Präsidentschaftswahlen stehen vor der Tür und man weiß gar nicht, was gruseliger ist. Auch wir haben Geschichten über Zombies, Untote, Mumien und andere Gruselgestalten im Gepäck. Gelesen wird (PREMIERE) in der Ä-Stube neben dem Ä. Mit dabei sind RadioEins-Kolumnistin und Zombie-Liebhaberin Lea Streisand, das gerade 30 Jahre alt gewordene Zombie-Küken Insa Kohler, unsere Gäste Eva Jacobi, die sich als Ärztin mit Blut und Verbänden perfekt auskennt und Aaron Ghantus, der euch musikalisch versorgen wird.
Erscheinen Sie, sonst weinen Sie! Donnerstag, 27. Oktober, in der Ä-Stube (Fuldastr. 46, Neukölln, einfach eine Tür weiter, die Fuldastraße runter), 20 Uhr

Rakete 2000 mit Jacinta Nandi - Bis der Frühling kommt!!!

Lea Streisand, Mareike Barmeyer, Insa Kohler und Eva Jacobi laden euch zur Mai-Rakete in die Ä-Stube ein.  Diesmal auch mit Jacinta Nandi (im Bild links außen). Und Alexander Wienand. Nachdem sämtliche Bräuche, den Winter zu vertreiben, dieses Jahr nicht ganz so gut geklappt haben, versuchen wir es auf diese Weise:  Wir lesen so lange, bis die Temperaturen steigen!!! Kommt vorbei. Es wird heiß. Donnerstag, 11.5. 20 Uhr Ä Stube (Fuldastr. 46, Neukölln)

Rakete 2000 mit Sven van Thom und Annika Blanke am 13.4.

Am Donnerstag, den 13. April ist wieder Rakete 2000. Sven van Thom ist unser Gast. Er wird auf der singenden Säge Klanginstallationen machen. Oder sowas. Das wird toll.


Unser zweiter Gast, denn wir lassen uns nicht lumpen und haben sogar zwei Gäste, ist die großartige Annika Blanke. Sie kommt aus Ostfriesland, gewinnt dort Poetry Slams mit Texten, die hier leider keiner versteht aber alle lieben, weil die Sprache so schön ist. Guckt und hört hier: 


Außerdem hat Annika gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. Es trägt den schönen Titel "Neulich war gestern noch heute" und ist bei Lektora erschienen. Wir freuen uns auf den 13.
Lea Streisand, Mareike Barmeyer und Eva Jacobi
aka Rakete 2000
Wann noch mal?
Am Donnerstag, den 13.4. ab 20 Uhr in der Ä Stube (Fuldastraße 46)